Agathe Zinsstag-Skulpturen

© Agathe Zinsstag 2015

Portrait von Agathe Zinsstag

Agathe Zinsstag wurde 1952 als drittes von acht Kindern in Visp geboren.

Sie hat als Kind immer sehr viel gebastelt und gezeichnet. 1968 begann sie in Bern die Lehrerinnenausbildung. Dort durfte sie im Zeichenunterricht weitere Techniken des Gestaltens kennen lernen. In dieser Zeit erlebte sie beim Modellieren mit Ton, dass ihre Hände wie ein Erinnerungsvermögen an Formen haben.

Während ihrer fünfjährigen Tätigkeit als Lehrerin war ihr die Förderung der Kreativität ihrer Schüler ein besonderes Anliegen. In der Freizeit machte sie immer wieder die Erfahrung, wie beglückend und erfüllend es sein kann, handwerklich und künstlerisch tätig zu sein.

Ihr Weg führte aber vorerst in eine andere Richtung weiter. 1977 begann sie in Bern ein Theologiestudium. Während dieser Zeit stand vor allem der kreative Umgang mit Wort und Stimme im Vordergrund. Damals begann sie auch, Gesangsunterricht zu nehmen. 1984 trat sie eine Stelle als reformierte Pfarrerin in Ostermundigen an, wo sie seither tätig ist. In der Lagerarbeit mit Kindern und Jugendlichen wuchs der Wunsch, die gedanklichen Inhalte kreativ zu vertiefen. Als geeignetes Medium entdeckte sie das Arbeiten mit Speckstein. Das Absolute des Steins (was weg ist, ist weg) begann sie immer mehr zu faszinieren. So war es ihr auch ein besonderes Anliegen, die Kinder zu ermuntern, sich von der Form des Steins inspirieren zu lassen.

Das Suchen nach der dem Stein eigenen Form und das sich Beschränken auf wenig Linien und Flächen, erlebte sie gerade in der Arbeit mit Jugendlichen immer wieder als sehr wertvoll.

Immer öfters bearbeitete sie auch selber Steine und merkte, dass ihr das Dreidimensionale liegt. Das Formgefühl und ein grosses Ringen um Schönheit, Harmonie und Spannung wurden immer wichtiger. 1994 besuchte sie einen Bildhauerkurs. Von da an nimmt das Bearbeiten von verschiedenen Steinen fast ihre ganze Freizeit in Beschlag. Sie besucht so oft wie möglich verschiedenste Kurse, um sowohl technisch wie auch künstlerisch weiterzukommen. Es blieb ihr dabei ein besonderes Anliegen, auf die dem Stein innewohnende Form zu lauschen. Daneben stellt sie sich aber auch ganz bewusst Themen, um verschiedene Stile auszuprobieren. Sie besucht regelmässig Kurse, sowohl in Bern wie auch in Carrara.

Um noch andere Gestaltungsmöglichkeiten zu entdecken, begann sie, auch mit Ton zu arbeiten. Einige dieser so entstandenen Werke liess sie in Bronze giessen.

Theologie und künstlerisches Schaffen sind für Agathe Zinsstag oft sehr nahe beieinander. Wenn im Schöpfungsbericht Gott den Menschen nach seinem Bilde schuf, so hat er ihn eben als Künstler geschaffen, weil Gott ja bisher immer als Schöpfer auftrat. Das Ringen um die Form und das beharrliche Dranbleiben bei der Arbeit ist für sie immer auch Meditation und Gebet.